Akkordeon
Akkordeon

Geeignetes Einstiegsalter von etwa 10 Jahren

Das Akkordeon (Pl.: Akkordeons) ist ein Handzuginstrument, bei dem der Ton durch freischwingende, durchschlagende Zungen erzeugt wird. Es zählt somit zu den selbstklingenden Unterbrechungs-Aerophonen. Man zählt heute alle Handzuginstrumente, die auf der rechten Seite, dem Diskant, die Tastatur in einer abgewinkelten Form angebracht haben, zu den diversen Akkordeonarten. Diese Anordnung der Tastatur geht auf die ersten Wiener oder die ersten französischen Instrumente zurück.

Die verschiedenen Typen der Konzertina, wie beispielsweise das Bandoneon, weisen im Gegensatz zum Akkordeon keine abgewinkelte Tastatur auf.

Terminologie  

Es gibt eine Reihe von regionalen Bezeichnungen für das Akkordeon oder spezielle Bauformen, wie Handharmonika, Ziehharmonika, Ziehorgel, Ziach, Handorgel, Riemenorgel, Quetschkommode, Quetsch, Quetschn, Zerrwanst, Tretschrank, Schifferklavier oder auch einfach Harmonika.

Besonders die Begriffe „Akkordeon“ und „Harmonika“ werden teilweise synonym, aber auch abgrenzend verwendet. Die regionalen Unterschiede in Bauart, Spielweise und Bezeichnung sind derart komplex, dass eine Darstellung wie diese nur lückenhaft sein kann.

Anfangs bezeichnete man mit dem Ausdruck „Harmonika“ die größeren Handzuginstrumente, die immer mit der rechten Hand gespielt wurden, also die kleinere Bauart der Physharmonika. Sprachlich ist im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte ein gewisser Tausch der Bezeichnungen eingetreten, heute wird eher das Akkordeon als die große Variante der Harmonika betrachtet, eine scharfe Begriffsabgrenzung gibt es aber nicht. Die Harmonika war ursprünglich chromatisch; siehe Geschichte des Pianoakkordeons.

Im volkstümlichen Bereich werden Begriffe exklusiv für bestimmte Sonderformen verwendet. Heute wird sehr häufig von „Akkordeon“ gesprochen, wenn es sich um teurere, hochwertige und schwerere Produkte handelt, die auch für konzertantes Spiel verwendet werden. Der Begriff „Harmonika“ wird eher für leichtere Ausführungen verwendet. Aber bereits hier gibt es Ausnahmen. So wurden in Wien gerade die größeren Instrumente als „Harmonika“ bezeichnet.

Regional gibt es sprachliche Unterschiede in der Benennung, grob kann gesagt werden, dass in Österreich Harmonika tatsächlich für das Akkordeon Verwendung findet, häufig aber auch als Kurzbezeichnung für die Steirische Harmonika, oft auch in der Form von Ziehharmonika. In der Schweiz wird eher der Ausdruck Orgel verwendet. Im deutschsprachigen Raum wurde in letzter Zeit ein neuer Ausdruck geprägt, nämlich Zuginstrument oder in der verkürzten Form einfach Zugin oder Ziach (vor allem in Westösterreich und Bayern).

Unterscheidet man die Regionen noch genauer, kommen umgangssprachlich noch viele weitere Bezeichnungen hinzu. Es ist daher natürlich, dass Personen aus verschiedenen deutschsprachigen Regionen die verschiedenen Bezeichnungen für derartige Instrumente mit unterschiedlichen Instrumentvarianten verknüpfen. So sind auch die Benennungen für das Instrument in den verschieden Sprachen der Erde oft von Harmonika oder Akkordeon abgeleitet. Im englischen Sprachraum wird Accordion als Oberbegriff verwendet.

Um die regionalen Unterschiede in der Terminologie zu umgehen, verwenden wir hier in erster Linie den Begriff „Akkordeon“.

Bauarten  

Ein Akkordeon besteht wie fast alle Handzuginstrumente aus zwei Teilen (Diskant und Bass), die durch einen Balg miteinander verbunden sind. Durch das Auseinanderziehen und Zusammendrücken der beiden Teile wird die Luft im Balg durch die Stimmstöcke in den beiden Seitenteilen geführt. Je nachdem, ob beim Ziehen und Drücken die gleichen Töne erklingen, kann grundsätzlich zwischen wechseltönigen und gleichtönigen Instrumenten unterschieden werden. Weiterhin ist eine Klassifikation nach Art der Tastenbelegung im Diskant möglich. Neben den hier aufgezählten sind noch zahllose weitere Varianten bekannt. Die Vielfalt der Akkordeons in Gruppen einzuteilen, ist schwierig. Bei praktisch allen Klassifikationssystemen zeigen sich Vor- und Nachteile sowie mehr oder weniger zahlreiche Ausnahmen.

Geschichte  

Vorläufer  

Das älteste, bekannte Instrument, das auf dem Prinzip der durchschlagenden Zungen basiert, ist die chinesische Sheng. Außer dem Grundprinzip der Tonerzeugung hat die Sheng jedoch mit dem Akkordeon nahezu keine Gemeinsamkeiten.

Heute wird üblicherweise oft angenommen, dass die Mundharmonika die Vorläuferin der Handharmonika war. Dies aber ist ein Irrtum. Zuerst erhielten Kirchenorgeln und Flügel (Piano Forte) Register mit durchschlagenden Zungen (siehe Vorläufer des Harmoniums).

Die direkten Vorläufer des Harmoniums sind allerdings die Aeoline und Physharmonika genannten Instrumente. Die Aeoline wurde um 1810 von Bernhard Eschenbach zusammen mit seinem Cousin Johann Caspar Schlimbach entwickelt, wobei sich die beiden von der Maultrommel anregen ließen. Die Physharmonika wurde 1821 in Wien von Anton Haeckl patentiert. 1824 bekam Anton Reinlein in Wien ein Patent für eine Verbesserung der Handharmonika.[3] [4] [5] Die Massenproduktion von Mundharmonikas setzte vor der Produktion der kleinen diatonischen Instrumente ein. In einer Druckschrift des Musikinstrumentenmuseum SIMPK in Berlin, die anlässlich der Ausstellung „in aller Munde“ herausgegeben wurde, steht:

„Unausrottbar scheint die Legende, der Thüringer Friedrich Buschmann habe Mund- und Ziehharmonika erfunden. Einer Überprüfung hält diese These nicht stand. Denn der Musiker Buschmann spricht in einem Brief von 1828 von seiner soeben getätigten Erfindung. Jahre zuvor hatte schon die gewerbsmäßige Herstellung in Wien begonnen.“

„Nachweislich wurden „Mundharmonikas chinesischer Art“ 1825 in Wien verkauft.“

– In aller Munde

Bereits 1827/28 baute Christian Messner in Trossingen die ersten Mundharmonikas nach. 1829 ließ Charles Wheatstone das Symphonium patentieren, eine Art Luxusmundharmonika. Er verbesserte das deutsche Wind-Instrument. Zu dieser Zeit waren derartige Instrumente zumindest in wohlhabenden Kreisen oder unter Musikern bekannt. Auch Weltausstellungen waren bereits üblich, um neue technische Errungenschaften dem Publikum zu präsentieren.[7][8][9][10]

Demians Patent  

Bei seinem Patent vom 6. Mai 1829 verwendet Cyrill Demian in Wien zum ersten Mal die Bezeichnung „Accordion“ für sein neuartiges Instrument, da bei jeder Taste 3- bis 5-tönige Akkorde eingebaut waren. Neu war die extrem kleine Ausführung. So wurde die einfachste Variante nur mit der linken Hand gespielt und war so ein reines Begleitinstrument. Dieses Instrument war wechseltönig (d. h. auf Zug und Druck klingen unterschiedliche Töne) und diatonisch (d. h. es können nur die Töne bestimmter Tonleitern, pro Reihe gespielt werden). Diese Wechseltönigkeit war ebenfalls neu, da die zur selben Zeit gebauten großen Instrumente gleichtönig waren. Wegen seiner geringen Größe und des niedrigen Preises verbreitete sich das Instrument sehr rasch. So konnten z. B. Pilger das Instrument auf ihre Reisen mitnehmen, was mit großen Harmonikas nicht möglich war.

Cyrill Demian und andere Instrumentenbauer in Wien bauten auch größere Instrumente in ähnlicher Art. Spielanleitungen für Melodieinstrumente sind bereits aus dem Jahre 1833 bekannt.

Vielfalt  

Im Jahr 1833 veröffentlichte der bekannte Wiener Komponist und Kapellmeister Adolph Müller eine Spielanleitung zum Selbsterlernen der diatonischen Harmonika.[11][12] Dem Text der Einleitung ist zu entnehmen, dass zu dieser Zeit bereits viele verschiedenartige Instrumente gebaut wurden. Er empfahl ein „vollkommenes Instrument“, welches sowohl Bassteil als auch Diskantteil besitzt. Diese Instrumente hatten bis zu 3 Tastenreihen mit allen chromatischen Basstönen.

„An großen vollständigen ACCORDIONS, mit 20 und mehr Tasten, sind am Boden des Instrumentes noch kleinere Claves angebracht, welche die in der oberen Lage fehlenden halben Töne und eine vollständige Oktave Basstöne geben, und, sowohl durch den Zug als Druck unverändert klingen.“

Weitere Entwicklung  

Die Instrumente in der einfachen Bauform fanden sehr rasch Verbreitung:

  • In Paris wurden sofort Instrumente nachgebaut und auch verändert. In der Musikzeitschrift „LE MENESTREL“ aus dem Jahre 1834 wird berichtet, dass ein derartiges Instrument im Jahre 1831 nach Paris kam.
  • Auch Carl Friedrich Uhlig nahm von einer Reise nach Wien ein derartiges Instrument nach Chemnitz mit. Er veränderte es, hielt aber an der diatonischen und wechseltönigen Tastenbelegung fest. 1834 baute er sein erstes Instrument, das als „Deutsche Konzertina“ bekannt wurde.
  • Heinrich Band erweiterte den Tonumfang. In seiner Spielanleitung vom Jahre 1846 war sich Band selbst nicht sicher, wie er sein Instrument einordnen sollte. Er schreibt: „Accordionschule für 40- und 44-töniges Accordion, […] selbst […] auf den Accordion oder der Ziehharmonika zu lernen.“ (op. 1 Crefeld)
  • Ziehharmonika und Accordion waren also die üblichen Bezeichnungen in jener Zeit.

 

Maschinelle Fertigung  

Einen wesentlichen Beitrag zur maschinellen Fertigung machte Julius Bertold ab 1870. Er war Schlosser in Klingenthal, erfand und baute Maschinen, welche die Produktion von Stimmplatten und Akkordeons vereinfachten. Darunter waren Stanzen und Fräsen für Stimmzungen, Pressen für die Balgfertigung, Holzbearbeitungsmaschinen sowie Schneidemaschinen.

Bekannte Akkordeonbauer waren damals: C. A. Seydel, I.C. Herold, G.A. Dörfel, Dörfel-Steinfelser & Co., F. A. Böhm, Otto Weidrich, Karl Eschbach, Ernst Leiterd, F. A. Rauner A.G., Robert Mühlmann, Gebrüder Gündel.

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