E-Gitarre

Geeignetes Einstiegsalter von etwa 10 Jahren

Eine elektrische Gitarre (auch E-Gitarre oder Stromgitarre genannt) ist eine für elektrische Tonabnahme entwickelte Gitarre. Sie setzt im Gegensatz zur akustischen Gitarre nicht primär auf einen akustischen Klangkörper zur Verstärkung der Saitenschwingungen. Dadurch können andere Bauformen erreicht werden, die vielen E-Gitarren unter anderem eine besonders leichte Bespielbarkeit verleihen.

Der Korpus einer E-Gitarre besteht meistens aus massivem Holz (Solidbody). Selten werden auch andere Materialien wie unterschiedliche Kunststoffe oder Kohlefaser verwendet. Es gibt aber auch E-Gitarren mit einem der akustischen Gitarre ähnlichen Hohlkörper sowie Mischformen (Halbresonanzgitarre, „Semi-acoustic“). Das verwendete Material, die Beschaffenheit des Materials und die Form des Klangkörpers spielen, nach den Tonabnehmern und deren Schaltung, eine entscheidende Rolle für den Klang.

Typische Halsverschraubung bei einer modernen E-Gitarre. Gut sichtbar sind auch die beiden Cutaways.

Auch in konstruktiven Details gibt es verschiedene Ausprägungen, die einen massiven Einfluss auf das Klangbild der Gitarre haben. So ist z. B. zu unterscheiden zwischen verschiedenen Methoden, den Hals mit dem Korpus zu verbinden. Die gebräuchlichsten Methoden sind das Verschrauben und das Verleimen. Beim Verschrauben wird der Hals in eine entsprechende Fräsung des Korpus eingelassen und mit meist vier durch eine Metall-Unterlegplatte geführten Holzschrauben mit dem Korpus verbunden. Es gibt allerdings auch Konstruktionen mit drei oder fünf Schrauben und mit einzelnen Unterlegscheiben oder Hülsen. Beim Verleimen wird der Hals meist wesentlich weiter in den Korpus eingesetzt und fest damit verleimt. Bei einigen Modellen besteht der Hals auch aus einem durchgehenden Block, und es werden nur noch die Korpushälften angeleimt.

Auch bei der verwendeten Hardware (siehe Mechanik), also z. B. den Stimmmechaniken oder dem Steg (speziell bei der E-Gitarre Bridge genannt), gibt es stark unterschiedliche Ausprägungen, die durch Bauweise und verwendetes Material den Klang des Instruments beeinflussen.

Eine elektrische Gitarre hat in der Regel sechs Saiten, es gibt aber auch Modelle mit sieben und acht Saiten (z. B. Ibanez RG-2228 GK). Eine weitere Form ist eine E-Gitarre mit zwei Hälsen mit je sechs Saiten beziehungsweise mit sechs und zwölf Saiten.

E-Gitarren haben in der Regel 21, 22 oder 24 Bünde, die dabei helfen, die Saite beim Greifen zu verkürzen, um beim Anschlagen einen bestimmten Ton zu erzeugen. Jedes Bundstäbchen entspricht dabei einem Halbtonschritt. Es existieren auch Sonderanfertigungen mit bis zu 36 Bünden (K. K. Downing, Judas Priest). Es gibt verschiedene Halslängen und -breiten.

Der Frequenzbereich der Grundtöne einer sechssaitigen, 24-bündigen Gitarre in Standardstimmung E-A-d-g-h-e’ reicht von 82,4 bis 1318,5 Hz.

Elektrik  

Elektromagnetische Tonabnehmer an einer E-Gitarre: ein Humbucker (links) und zwei Single Coils (mitte und rechts)

Die Saitenschwingungen bei elektrischen Gitarren werden über elektro-magnetische Tonabnehmer (englisch: pick up) abgenommen und elektronisch verstärkt wiedergegeben. Bei den Tonabnehmern unterscheidet man im Wesentlichen die Bauformen Single Coil und Humbucker.

Das bis heute vorherrschende Prinzip der Abnahme der elektrischen Signale geht auf die 1930er Jahre zurück: Dauermagnete werden direkt unterhalb der schwingenden Saiten aus Stahllegierungen montiert. Diese sind mit einer Spule umwickelt. Schwingungen der Saiten führen zu Störungen des Magnetfeldes, die wiederum durch Induktion eine elektrische Wechselspannung in der Spule hervorrufen. Dieses schwache Signal wird einem Verstärker zugeleitet. Bei einer E-Gitarre handelt es sich insofern um ein elektrisches, nicht aber ein elektronisches Musikinstrument. Schwingungen, die durch das Korpusmaterial und den Hals laufen, beeinflussen wiederum die Schwingung der Saite, daher hat das verwendete Holz (oder gegebenenfalls anderes Material) auch einen gewissen Einfluss auf den Klang.

Um den Klang zu variieren, haben viele E-Gitarren mehrere Tonabnehmer und Wahlschalter, um zwischen diesen hin- und herschalten zu können und auch um Kombinationen zwischen den einzelnen Tonabnehmern herzustellen. Die Tonabnehmer können oft zusätzlich in der abzugebenden Spannung und damit Ausgangslautstärke durch ein Potentiometer und einen Höhensteller, das Ton-Potentiometer, beeinflusst werden. Bei den weitaus meisten E-Gitarren, namentlich bei hochwertigen Markenprodukten, sind die Möglichkeiten der Klangbeeinflussung allerdings ausgesprochen beschränkt. Faktisch wird lediglich mit dem Klangregler die Wirkung eines parallel zum Tonabnehmer geschalteten Kondensators reguliert, wodurch dem Klang mehr oder weniger viel Höhenanteil genommen werden kann – die Gitarre klingt also je nach Einstellung dumpfer. Mehr Möglichkeiten bieten aktive Klangregler, mit denen die Klangvielfalt des Instrumentes gesteigert werden kann. Aktiven Tonabnehmern werden neben den erwähnten positiven auch negative Klangeigenschaften nachgesagt – beispielsweise daß sie unverzerrt steril klingen. Ein Nachteil bei aktiver Elektronik ist, dass die Gitarre eine eigene Spannungsquelle (in der Regel eine Batterie) benötigt. Einige Modelle werden auch mit Piezo-Tonabnehmern ausgestattet, um den Klang einer akustischen Gitarre nachzuahmen.

Seit Einführung des MIDI-Standards Mitte der 1980er Jahre wurden Systeme entwickelt, mit denen die einzelnen Saitenschwingungen einer Gitarre in Echtzeit in MIDI-Signale umgewandelt werden. Durch diese „MIDIfizierung“ der Gitarrensignale ist eine Steuerung von Klangerzeugern möglich, die MIDI-Befehle verarbeiten können. Eine Gitarre kann so Klänge von Synthesizern, Drumcomputern oder Samplern spielen. Im Gegensatz zum Gitarrensynthesizer wird dabei das Audiosignal der Tonabnehmer nicht für die Klangerzeugung benutzt.

Geschichte  

Epiphone Les Paul

Moodswinger, Yuri Landman, Holland für The Liars

Die Entwicklung der elektrischen Gitarre begann um 1920, als man nach Möglichkeiten suchte, die Gitarre als Instrument in Musikgruppen lauter und durchsetzungsfähiger zu machen. Aufgrund ihrer im Vergleich zu Blasinstrumenten geringen Lautstärke war die Gitarre in größeren Musikgruppen auf eine Rolle als reines Rhythmusinstrument festgelegt. Die Zeit der großen Unterhaltungsorchester und Big Bands und auch die damalige Aufnahmetechnik forderten die Instrumentenbauer heraus, lautere Gitarren mit größerem Klangvolumen zu bauen. Erste Methoden um dieses zu erreichen waren die Vergrößerung des Korpus akustischer Instrumente und in den 1920er-Jahren die Entwicklung der Resonatorgitarre.[2] Etwa 1930 hatte sich herausgestellt, dass das Ziel nur durch elektrische Verstärkung des Klangs zu erreichen war. Diese Methode hatte aber auch Gegner, die eine Verwahrlosung der Musik prophezeiten. Die elektrischen Gitarren hielten zuerst im Country-, Jazz– und Blues-Bereich Einzug.

Bereits 1923 experimentierte Lloyd Loar, seit 1919 leitender Ingenieur in der Entwicklungsabteilung von Gibson, mit den ersten elektrischen Tonabnehmern. Er erfand einen Sensor, der die Schwingungen der Decke eines Saiteninstrumentes aufnehmen konnte und in ein elektrisches Signal umwandelte. Dieser Tonabnehmer wurde von Loar zuerst mit einem Kontrabass erprobt.[3] Da diese Sensoren unpraktisch zu handhaben waren, und zudem die Firmenleitung von Gibson dieser Entwicklung skeptisch bis ablehnend gegenüberstand, konnten sie sich nicht am Markt durchsetzen.

1931 entwickelte George Beauchamp zusammen mit Adolph Rickenbacker einen Tonabnehmer, der sich die Saitenschwingung von Stahlsaiten direkt zunutze machte. Dieser Tonabnehmer basierte auf dem Prinzip der Induktion: Um einen Magnetkern wurde eine Spule gewickelt. Bewegten sich nun die Metallsaiten im Feld dieses Magneten, wurde es verändert, wodurch in der Spule eine Spannung induziert wurde. Das Grundprinzip, auf dem auch heutige Pickups noch basieren, war erfunden. Zunächst bestand der Tonabnehmer noch aus zwei Hufeisenmagneten, durch die die Saiten hindurchgeführt wurden. Rickenbacker baute ihn in eine Lapsteel-Gitarre ein, die aus einem einzigen Stück Holz gearbeitet war. Wegen ihrer charakteristischen Form mit kleinem, kreisrundem Korpus wurde sie „Frying Pan“ (Bratpfanne) genannt.[4] Spätere Versionen dieser Gitarre waren sogar ganz aus Aluminium. Das US-Patent für seine musikalische Bratpfanne sandte Beauchamp 1932 ein, das zweite für eine überarbeitete Version wurde 1934 eingereicht. Obwohl die Gitarre bereits erfolgreich auf dem Markt war, stellte das Patentamt die Frage, ob man das Gerät überhaupt benutzen könne. Um das zu beweisen, schickte Adolph Rickenbacker mehrere Gitarristen zu dem zuständigen Patentamt in Washington D.C., um den Sachbearbeitern ein Ständchen zu spielen. Nach langen Verzögerungen erhielt er das Patent 1937. Inzwischen hatten auch andere Hersteller elektrische Gitarren entwickelt.

Das erste regulär zu spielende Gitarrenmodell war die 1932 ebenfalls von Rickenbacker vorgestellte Electro Spanish. Das Instrument hatte denselben Tonabnehmer wie die „Frying Pan“.[4] Über den Markterfolg dieses Modells ist nichts bekannt. Das erste wirtschaftlich erfolgreiche Gitarrenmodell mit elektrischem Tonabnehmer in Serienfertigung war die 1936 vorgestellte ES-150 der Firma Gibson,[5] in die auch die Erfahrung des Gitarristen Alvino Rey einflossen. Im Prinzip war die ES-150 eine Jazz-Gitarre mit in die Decke eingelassenem Tonabnehmer. „ES“ steht hierbei für Electric Spanish und war nicht so sehr auf die Verwandtschaft mit der klassischen „spanischen“ Gitarre bezogen, sondern auf die gegriffene Spielweise in Abgrenzung zur Lapsteel-Gitarre. Die Zahl „150“ stand für den damaligen offiziellen Verkaufspreis von 150 Dollar inklusive Gitarrenverstärker und Kabel. In Deutschland gehörten in den 40er-Jahren die Gitarrenbauer Wenzel und Roger Rossmeisl zu den Pionieren auf dem Gebiet elektrifizierter Jazz- und Hawaii-Gitarren.

1941 wurde von Lester William Polfus (alias Les Paul) ein weiterer Schritt in Richtung moderner E-Gitarren begangen: Er zersägte eine akustische Gitarre in zwei Hälften und fügte in der Mitte einen massiven Klotz ein. Dieses Instrument erhielt den Namen „The Log“ (deutsch: „der Klotz“).[6] Von diesem Instrument war es nur noch ein kleiner Schritt zu den Solidbody-Gitarren mit massivem Korpus. Mit diesen wurden vor allem die oft störenden Rückkopplungen bisheriger E-Gitarren reduziert. Außerdem wurde ein länger anhaltendes Schwingen (Sustain) der Saiten erreicht.

Die erste E-Gitarre mit massivem Korpus wurde 1948 von Paul Bigsby auf Anregung des Countrymusikers Merle Travis hergestellt. Die Gitarre besaß einen Singlecoil-Pickup in Stegposition, einen durchgehenden Hals und eine Kopfplatte mit sechs in Reihe montierten Mechaniken. Bigsby, der sich insbesondere mit seinen Vibratosystemen einen Namen machte, stellte verschiedene Versionen dieser Gitarre in kleiner Stückzahl bis in die 1960er Jahre her.[7]

Inspiriert von Bigsby/Travis Gitarre brachte Leo Fender 1950 unter dem Namen Esquire seine erste E-Gitarre auf den Markt. Dieses nach mehreren Namenswechseln Telecaster genannte Instrument war die erste in Massenfertigung hergestellte E-Gitarre. Die erste Telecaster besaß keinen Halsstab (Trussrod), wodurch sich der Hals verbog, da die Saiten einen gewissen Zug entwickeln. Der Hals war einfach auszutauschen, jedoch hatte dieses Konzept keinen Erfolg und so baute Leo Fender letztendlich doch Halsstäbe ein. Die nun entwickelte Fender Telecaster ist seitdem als Original und von einer inzwischen unüberschaubaren Reihe von anderen Herstellern als Kopie erhältlich.

Die 1954 von Fender auf den Markt gebrachte Stratocaster war eine der ersten Gitarren, die über einen Tremolohebel verfügte. Aufgrund einer Namens- und Sinnverwechslung von Vibrato und Tremolo durch Leo Fender wurde das ursprünglich für Vibratos vorgesehene System am 10. April 1956 von ihm unter dem Namen Synchronized tremolo zum Patent angemeldet.

1987 entwickelten Ibanez und Steve Vai eine siebensaitige E-Gitarre, die mit einer zusätzlichen tiefen H-Saite versehen war. 2003 brachte Line 6 mit der Variax erstmals eine E-Gitarre auf den Markt, die verschiedene bekannte E-Gitarrenmodelle und Akustikgitarren simuliert. Heute gibt es die ausgefallensten Versionen von E-Gitarren, wie zum Beispiel E-Gitarren mit zwei Hälsen oder eine Gitarre, die den Tonumfang von E-Bass und E-Gitarre in einem Instrument enthält und seit 2007 gibt es die E-Gitarre, die sich selbst stimmt.
zurück

 


News & events

Mittwoch, 25. Mai 2016

Sommerkonzert_2016

mehr...

Sonntag, 29. November 2015

Weihnachtsgeschenk

Jedem Musikinteressierten, ob Kind oder Erwachsene/r, bieten wir einen Weihnachtsgutschein an.

Dieser beinhaltet 4 Termine à 30 Minuten Einzelunterricht im Wert von 80€ für nur 65€.

little violinist

mehr...